Frau Dr. Susanne Dickel von der Mülheimer Initiative für Klimaschutz im Interview mit Eberhard G. Gerstel

Ökoprofit - GERSTEL setzt sich für den Klimaschutz ein

Für ihre erfolgreiche Teilnahme am Ökoprofit wurde die GERSTEL GmbH & Co. KG im September 2010 von NRW-Umweltminister Johannes Remmel ausgezeichnet.

Die Idee ist simpel und einfach genial: Wer Ressourcen schont, seinen Energieverbrauch und seine Emissionen reduziert, wer erfolgreich, sprich: vorzeigbar zur Verfügung stehende (Umwelt-)Technik nutzt, kann sich unter Beteiligung am so genannten Ökoprofit profilieren. Und nicht nur sich und sein Unternehmen. Der Grundgedanke von Ökoprofit ist nämlich ein „Win-Win-Modell“, welches zum Ziel hat, Wirtschaftsbetriebe durch den Einsatz innovativer integrierter Technologien nachhaltig ökonomisch zu stärken und gleichzeitig die ökologische Situation in der jeweiligen Stadt/Region zu verbessern.
Hinter der Bezeichnung Ökoprofit verbirgt sich  ein „Ökologisches Projekt für Integrierte Umwelt-Technik“.  Die Teilnahme des Unternehmens an diesem Projekt erfolgte mehr oder minder im Zusammenhang mit den eigenen erfolgreichen Anstrengungen, das im Jahr 2007 fertiggestellte neue Unternehmensgebäude am Eberhard-Gerstel-Platz 1 in Mülheim an der Ruhr energieeffizient zu betreiben. Neben der Installation einer Geothermie, die der Beheizung und Klimatisierung des Gebäudes dient, wurden eine intelligente Lichtsteuerung sowie ein energieeffizientes Lichtleitsystem installiert.
Mit der Beteiligung am  Ökoprofit-Projekt  wurde weiteres Energiesparpotenzial offenkundig und es wurden Maßnahmen zur Abfallvermeidung und dem Einsatz alternativer, umweltverträglicher Werkstoffe ergriffen. Mit Erfolg, wie die Auszeichnung durch NRW-Umweltminister Johannes Remmel am 4. September 2010 in Mülheim an der Ruhr belegt.

Auszug aus dem Interview mit Eberhard G. Gerstel zur Erfahrung des Unternehmens mit dem Ökoprofit. Die Fragen stellte Frau Dr. Susanne Dickel von der Mülheimer Initiative für Klimaschutz:

Wie wurde der Prozess im Unternehmen eingebunden?

Ökoprofit ist bei GERSTEL Chef-Sache. Ausgewählte Mitarbeiter haben die Aufgabe übernommen, die Umsetzung der mit der Ökoprofit-Idee verbundenen Maßnahmen im Unternehmen zu forcieren sowie die Belegschaft zu informieren und für ökologisch-nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung. Zu den Maßnahmen zählt z. Bsp. der Aspekt Abfallvermeidung, das Sammeln von Wertstoffen, die Einsparung von Energie und Wasser. Im Übrigen war uns die Ökoprofit-Idee bereits vor unserer Teilnahme nicht fremd. Im Gegenteil. Planung und Neubau unserer neuen Firmenzentrale, die 2007 fertiggestellt und bezogen wurde, erfolgten unter dem Aspekt: ökologisch sinnvoll handeln und trotzdem profitieren. Wir haben Einsparpotenziale generiert, obgleich wir hierfür zunächst einmal Mehrausgaben in Höhe von einigen hunderttausend Euro in Kauf genommen haben. Grund: Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind feste Bestandteile unserer Formenphilosophie. Sie werden als im Unternehmen gelebt und praktisch umgesetzt:  Wir nutzen die Geothermie zum Heizen und Klimatisieren des Unternehmen. Wir haben im Zuge von Ökoprofit eine intelligente Gebäudeleittechnik installieren lassen, die über 400 Sensoren die Temperatur im Gebäude messen. Der angeschlossene Rechner regelt hierüber die optimale Temperatur im Haus. Dadurch sind wir in der Lage, den Verbrauch zu senken und Kosten einsparen. Das lässt sich an Zahlen belegen.

Wie schätzen Sie den Erfolg ein?

Wir brauchen nicht zu schätzen, uns liegen u.a. konkrete Zahlen vor: Ein Beispiel: Die Gebäudeleittechnik, die wir im Zuge und auf Anregung von Ökoprofit installiert haben, kostet uns einmalig 15.000 Euro, hilft uns allerdings, pro Jahr rund 6000 Euro einzusparen.
Zweites Beispiel: Wir haben die Trennung und Entsorgung von Verpackungsmaterialen optimiert in Zusammenarbeit mit Lieferanten optimiert. Die Investition in entsprechen Behältnisse und Prozess betrug rund 8500 Euro, spart uns im pro Jahr rund 1000 Euro, führt allerdings auch gleichzeitig dazu, dass wir mehr eine geordnete Zwischenlagerung haben und das Raumpotenzial besser nutzen. Ein drittes Beispiel ist der Einsatz von umweltverträglicheren Fahrzeugen, die zum Beispiel über eine Start-Stopp-Funktion verfügen; in der Schweiz setzen wir Erdgasfahrzeuge ein. Dieser Posten verhält sich kostenneutral, hilft aber dabei, die CO2-Belastung des Unternehmens zu reduzieren.

Wie sichern Sie die Nachhaltigkeit des Prozesses?

In dem wir den Gedanken des Ökoprofits leben und vor allem vorleben. In jeder Abteilung gibt es Mitarbeiter, die verantwortlichzeichnen für die Umsetzung und Einhaltung der unter anderem im Zuge des Ökoprofits eingeleiteten Prozess und Maßnahmen. Und die Geschäftsführung ist in alle Prozesse eingebunden und steht als Garant für die Umsetzung des Ökoprofit-Gedankens.

Energie- und Ressourcenschonung ist heute aus rein ökonomischen Gründen geboten. Hat denn auch der Klimawandel schon Auswirkungen auf Ihr unternehmerisches Handeln?

Für GERSTEL ist der Aspekt der Nachhaltigkeit nicht neu. Als Teil unserer Firmenphilosophie wird er seit Jahr und Tag gelebt. Was sich, am Rande auch in unseren Produkten widerspiegelt, helfen Sie doch den Einsatz von zum Teil hoch giftigen Lösungsmitteln im Labor auf ein Minimum zu reduzieren. Ungeachtet dessen legen wir natürlich Wert auf einen schonenden Umgang mit Energie- und begrenzten Ressourcen. Wir nutzen im Firmengebäude zum Beispiel: ein intelligentes Lichtleitsystem, mit dem wir das Tageslicht optimal nutzen. Wir haben Bewegungsmelder installiert, die den Einsatz künstlichen Lichts bedarfsorientiert regeln… Wir praktizieren gemeinsam mit der MEDL das Prinzip des Carsharings. Wir teilen uns einen mit Erdgas betriebenen Pkw. Natürlich haben wir noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Aber wir arbeiten daran.

Sie sind im internationalen Geschäft tätig. Wie nehmen Sie die Anstrengungen in anderen Ländern wahr, sich auf die Herausforderungen des Klimawandels einzustellen?

Es ist schwer zu sagen, wie man im Ausland mit den Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, umgeht. Ich denke allerdings, dass niemand angesichts der spürbaren, zum Teil dramatischen Folgen, in gewohnter Manier verfahren kann. Wir sind gehalten umzudenken. Wir sind überzeugt, dass unser Handeln allerdings auch über Landesgrenzen hinweg beispielgebend ist und viele Nachahmer finden wird. Zumindest erfahren wir – über unsere Unternehmen im Ausland sowie unsere ausländischen Partner und Besucher viel Lob für unser Engagement. (Öko kann auch schick sein!)

Welche unternehmerische Chance sehen Sie und welche Bedeutung kann ein Projekt wie InnovationCity entwickeln?

Es ist vor allem geeignet, ein Zeichen zu setzen, nicht allein wirtschaftlich global zu denken und zu handeln, sondern auch ökologisch. Das Projekt InnovationCity macht deutlich, dass nicht Einzelne sich Ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst sind und stellen, sondern dass es sich hierbei um große Teile der Bevölkerung handelt.

Mülheim ist in der Endausscheidung im Wettbewerb um die Niedrigenergiestadt der Zukunft. Was wäre aus Ihrer (Unternehmer-)Sicht ein Ziel, das sich Stadt und Wirtschaft setzen sollten?

Ziel sollte es sein, am Gedanken, der hinter dieser Idee steht, festzuhalten, auch wenn Mülheim an der Ruhr in diesem Wettbewerb nicht den ersten Platz belegt. Langfristig sollte die Stadt noch mehr Anreize zu schaffen, ökologisch sinnvoll zu handeln. Dazu bedarf es einer Intensivierung der Informationspolitik, die deutlich macht, dass es lohnenswert ist, ökologisch sinnvoll und nachhaltig zu handeln. Die Verantwortlichen in der Wirtschaft wiederum sollten Mehrausgaben in Kauf nehmen, und den Nutzen bzw. Erfolg (Profit) geeigneter Maßnahmen über die Zeit sehen.